Die drei ???General

    Der Klang von brechendem Holz

    by Anna-Lena

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    Der Schmerz war ein tiefes, nagendes Übel. Er saß nicht nur in ihrer Hüfte, wo die Knochensplitter von den Chirurgen mühsam wieder zusammengesetzt worden waren, sondern er zog sich hoch bis in ihren Rücken und runter in ihr Knie. Ein ständiger, dumpfer Puls, der sie daran erinnerte, dass ihr Körper sie verraten hatte. Oder jemand anderes hatte ihn verraten. Das war die Frage, nicht wahr?

    Elara starrte aus dem Fenster ihres Zimmers. Rocky Beach sonnte sich in diesem unverschämt strahlenden kalifornischen Licht, das sie schon immer als unehrlich empfunden hatte. Nichts konnte so perfekt sein. Das Meer glitzerte zu blau, der Sand leuchtete zu golden. Es war eine Postkartenlüge, und im Moment fühlte sie sich wie eine persönliche Beleidigung.

    Ihr Blick wanderte zu dem kleinen Nachttisch. Dort hatte sie gestern Abend, bevor die Schmerzmittel sie endgültig ins Reich der Träume befördert hatten, ihre Sammlung von Muscheln und seltsam geformten Steinen neu arrangiert. In konzentrischen Kreisen, von der dunkelsten zur hellsten. Ordnung war ein Balsam. Aber eine kleine, spiralförmige Muschel war verrutscht und störte nun das Muster. Es juckte sie in den Fingern, sich vorzubeugen und sie an ihren Platz zu rücken, aber schon der Gedanke an die Bewegung ließ den Schmerz in ihrer Hüfte schärfer werden. Ein frustriertes Seufzen entwich ihr.

    Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren Gedanken. Bevor sie antworten konnte, wurde die Tür aufgestoßen und Peter Shaw stand im Rahmen, das Gesicht eine Mischung aus übertriebener Sorge und Unbehagen.

    „Hey, Elara! Wie… wie geht’s dir?“

    Dicht hinter ihm folgten Bob Andrews, der eine Mappe unter dem Arm geklemmt hatte, und zuletzt Justus Jonas, der den Raum mit der ruhigen Autorität des Ersten Detektivs betrat.

    „Peter, deine ungestüme Art ist in einem Krankenzimmer fehl am Platz“, bemerkte Justus trocken, während seine Augen kurz den Raum abscannten, als würden sie jedes Detail katalogisieren. Er nickte Elara zu. „Wir wollten nach dir sehen. Und einige Unklarheiten beseitigen.“

    „Unklarheiten“, wiederholte Elara und eine Spur ihres üblichen Sarkasmus schwang in ihrer Stimme mit. „Nennt man das so, wenn eine Planke unter einem einfach wegbricht?“

    „Die Ärzte sagen, die Operation ist gut verlaufen“, warf Bob ein, immer der Überbringer recherchierter Fakten. „Du musst dich nur schonen.“

    „Schonen“, murmelte sie und blickte auf die verrutschte Muschel. „Mein neues Lieblingswort.“

    Justus zog den einzigen freien Stuhl näher an ihr Bett. Peter blieb unschlüssig an der Tür stehen, als hätte er Angst, etwas umzuwerfen.

    „Elara, wir müssen noch einmal genau durchgehen, was passiert ist“, sagte Justus. Seine Stimme war ruhig, aber eindringlich. „Jedes Detail ist von Belang. Du sagtest, du wärst auf dem alten West-Pier spazieren gewesen.“

    „Ich wollte Fotos machen“, erklärte sie. „Von der alten Verladestation am Ende. Für mein Portfolio.“ Das war zumindest die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte, dass das Gelände zum Portfolio der Immobilienfirma ihres Vaters gehörte und sie eine Vorliebe dafür hatte, Orte zu dokumentieren, bevor sie dem Erdboden gleichgemacht wurden, behielt sie für sich. „Ich war auf dem Hauptsteg. Eine Planke… sie hat einfach nachgegeben.“

    „Hat sie geknarrt? Gesplittert?“, fragte Justus weiter, die Fingerkuppen aneinandergelegt.

    Elara schloss die Augen und rief sich die Szene zurück. Den Geruch von Salz und verrottendem Holz. Das Kreischen der Möwen. Und dann den Fall. „Nein“, sagte sie langsam und öffnete die Augen wieder. „Das ist es ja. Das war das Seltsame. Es war kein Knarren. Kein Ächzen, wie man es von altem Holz erwartet. Nur ein einziger, sauberer Knall. Und dann… nichts mehr.“

    Justus nickte langsam. „Ein sauberer Bruch, sagst du. Ungewöhnlich für verrottetes Holz, das über Jahre der Witterung ausgesetzt war. In der Tat höchst ungewöhnlich.“ Er tauschte einen kurzen Blick mit Bob, der kaum merklich die Augenbrauen hob. Justus sagte nichts weiter dazu, aber Elara spürte, dass sein Gehirn bereits auf Hochtouren lief und Verbindungen knüpfte, zu denen sie noch keinen Zugang hatte.

    „Der ganze Pier ist eine Todesfalle“, sagte Peter vom Türrahmen aus. „Wir hätten dich fast nicht gehört.“ Er schwieg kurz, als würde er überlegen, ob er noch etwas hinzufügen sollte. Dann schüttelte er kaum merklich den Kopf und blieb still.

    Während Justus und Bob in eine leisere, fachliche Diskussion über die Materialermüdung von Holzplanken verfielen, wanderten Elaras Augen zu ihrem Buch, das vom Nachttisch gerutscht war und nun mit dem Einband nach oben unter dem Bett lag. Es war außer Reichweite. Eine Welle der Ungeduld überkam sie. Sie hasste es, hilflos zu sein. Sie würde nicht um Hilfe bitten. Nicht für so etwas Banales wie ein Buch.

    Mit zusammengebissenen Zähnen stützte sie sich vorsichtig auf ihren guten Ellbogen. Der Schmerz in ihrer Hüfte flammte sofort auf, ein weißglühendes Messer. Sie ignorierte ihn. Langsam, Zentimeter für Zentimeter, streckte sie ihren Arm nach unten aus, ihre Finger krallten sich in die Luft, kurz vor dem Buchrücken. Die Jungs bemerkten nichts, vertieft in ihr Gespräch.

    Noch ein Stück. Ihre Fingerspitzen berührten den kühlen Karton des Buches. Sie keuchte leise vor Anstrengung. Als sie versuchte, das Buch zu sich heranzuziehen, stießen ihre Finger gegen etwas anderes. Etwas Kaltes. Hartes.

    Es war zwischen die unterste Kante des Bettgestells und die alte Holzbodendiele geklemmt. Es war definitiv kein Teil des Bettes. Neugier verdrängte für einen Moment den Schmerz. Mit spitzen Fingern fummelte sie an dem Gegenstand herum, versuchte, ihn aus seiner engen Position zu befreien. Er rührte sich nicht. Sie kniff die Augen zusammen, konzentrierte sich und drückte mit dem Daumennagel gegen die Diele, während sie mit dem Zeigefinger an dem Objekt zerrte. Mit einem leisen *Klick* gab es nach und fiel auf ihre Handfläche.

    Es war ein Medaillon. Aus angelaufenem, schwerem Silber, vielleicht so groß wie ein Fünfmarkstück. Es war nicht das übliche ovale oder herzförmige Schmuckstück. Es war rund und flach, und auf der Vorderseite waren keine Initialen eingraviert, sondern seltsame, kantige Symbole, die an eine Mischung aus Runen und geometrischen Formen erinnerten. Sie hatte noch nie solche Zeichen gesehen. Es fühlte sich alt an. Sehr alt.

    Und es war kalt, aber es war eine seltsame Kälte, die eine fast unmerkliche Vibration auf ihrer Haut zu hinterlassen schien.

    „Was ist das?“, fragte Peter.

    Elara zuckte zusammen. Die Unterhaltung der drei Detektive war abrupt verstummt. Alle drei starrten auf das Objekt in ihrer Hand. Justus’ Augen waren schmal geworden, sein Blick hatte jene intensive Schärfe angenommen, die sie kannte, wenn er einer Spur nachging.

    Sie hob den Blick von dem rätselhaften Medaillon zu den Gesichtern der drei Jungen. Der pochende Schmerz in ihrer Hüfte war plötzlich nur noch ein fernes Echo. Er war ersetzt worden durch das laute, drängende Pochen einer neuen, viel wichtigeren Frage, die schwer und kalt in ihrer Handfläche lag.

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