Der Geschmack von Blut und kaltem Salzwasser war eine vertraute Mischung. Heat spuckte aus, das verbrannte Fleisch an seinen Lippen spannte. Er hasste es, nass zu sein. Nicht das Wasser an sich – ein Pirat, der Wasser fürchtete, war ein toter Pirat –, sondern die durchdringende, knochenkalte Nässe, die sich in die Kleidung fraß und an der Haut klebte wie ein Leichentuch. Besonders hasste er nasse Socken. Es war eine irrationale, kleinliche Abscheu, aber sie war das Einzige, woran sein Verstand in diesem Moment Halt fand.
Der Schwarze See, wie ihn der alte Mann später nennen würde, war still. Eine trügerische Ruhe nach dem ohrenbetäubenden Chaos ihres Eintreffens. Die Trümmer der Victoria Punk, einst ihr ganzer Stolz, ihr Zuhause, ragten wie die Rippen eines zerfetzten Kadavers aus dem dunklen Wasser. Splitter von Holz und verdrehtes Metall, die stummes Zeugnis einer Niederlage ablegten.
Neben ihm keuchte Wire, sein Atem eine weiße Wolke in der kalten Nachtluft. Er klammerte sich an einen verkohlten Mastteil, seine Fingerknöchel weiß. „Alles ... alles weg“, flüsterte er. Seine Stimme war rau, brüchig.
Heat antwortete nicht. Worte waren nutzlos. Stattdessen richtete er seinen Blick auf die einzige Bewegung in der Szenerie. Dive, geschmeidig und tödlich wie immer, kämpfte sich durch das seichte Wasser ans Ufer. Ihre Haut schimmerte fahl im Mondlicht, und die feinen Schlitze ihrer Kiemen unterhalb ihres Kiefers flatterten nervös und soge die fremde Luft ein. Sie zerrte zwei Gestalten hinter sich her. Die Erste, eine hoch aufragende Masse aus Muskeln und Wut, war selbst in der Bewusstlosigkeit eine imposante Erscheinung: Captain Eustass Kid. Sein linker Arm, der metallene, den sie nach Punk Hazard gebaut hatten, war nur noch ein Stummel aus verbogenem Schrott und freigelegten Drähten. Der andere, Killer, lag schlaff in ihrem Griff, seine blaue Maske war gesprungen und enthüllte einen unschönen Riss, durch den dunkles Blut sickerte.
„An Land“, keuchte Dive, als ihre Füße endlich festen Boden fanden. „Sie brauchen... Hilfe. Sofort.“ Ihre Zähne, spitzer als die eines normalen Menschen, blitzten, als sie nach Luft schnappte.
Wire rappelte sich auf. „Waffen. Wir müssen die Waffen bergen. Was auch immer von den Kanonen übrig ist.“
„Nein“, sagte Heat. Seine Stimme war tief und ruhig, ein Kontrast zum Feuer, das er beherrschte. Er ging zu einem verbogenen Stück Reling, das schief im Schlamm steckte, und riss es mit einer ruckartigen Bewegung aus dem Boden, um es dann sorgfältig parallel zum Ufer abzulegen. Ein Drang, Ordnung in das Chaos zu bringen, den er nie ganz unterdrücken konnte. „Sicherheit zuerst. Waffen nützen nichts, wenn uns das, was in diesem Wald lebt, im Schlaf die Kehle aufschlitzt.“ Er zeigte mit dem Kinn auf die dunkle Baumgrenze, die sich nur wenige Meter vom Ufer entfernt erhob. „Wire, du sicherst die linke Flanke. Ich nehme die rechte. Dive, bleib bei ihnen. Versuch, die Blutung zu stoppen.“
Es war ein Befehl, keine Bitte. Wire zögerte nur einen Moment, dann nickte er knapp. Sie waren geschlagen, aber sie waren nicht führungslos. Solange Kid und Killer außer Gefecht waren, lag die Verantwortung bei ihnen.
Genau in diesem Moment erhellte ein Licht die Szenerie. Es kam nicht von den Sternen oder dem zerschlagenen Mond. Es kam von einem gewaltigen Steingebilde auf dem Hügel über dem See, einem Schloss, das so absurd und unwirklich war, dass es aus einem Märchenbuch gefallen schien. Aus unzähligen Fenstern strömte warmes, gelbes Licht.
Drei Gestalten lösten sich aus dem Schatten des Schlosses und kamen den Hang herab. Sie bewegten sich mit einer unheimlichen Geschwindigkeit, ohne zu rennen. An ihrer Spitze ging ein alter Mann mit einem Bart, der so lang und weiß war, dass er ihn in den Gürtel hätte stecken können. Er trug eine Halbmondbrille und einen extravaganten, sternenbesetzten Umhang. Seine Augen, von einem durchdringenden Blau, schienen alles auf einmal zu sehen: die Wrackteile, die verletzten Piraten, die kaum unterdrückte Aggressivität in Heats Haltung.
Hinter ihm schritt eine strenge Frau mit einem fest in einen Knoten gebundenen Haarknoten und einem Gesicht, das aussah, als hätte sie seit Jahrzehnten nicht mehr gelächelt. Die dritte Gestalt war ein Mann mit fettigen, schulterlangen schwarzen Haaren, einem hakenförmigen Gesicht und einer Aura des reinen, unverfälschten Grolls.
„Guten Abend“, sagte der alte Mann. Seine Stimme war ruhig und klangvoll, ohne jede Spur von Überraschung. Als hätte er sie erwartet. „Sie sind weit von zu Hause, fürchte ich.“
Heat trat einen Schritt vor Dive und die beiden Verletzten. Seine Hände fühlten sich heiß an, ein vertrautes Kribbeln. „Wer sind Sie? Wo sind wir?“
„Ich bin Albus Dumbledore. Und dies“, er machte eine weite Geste, die das Schloss und die Ländereien umfasste, „ist Hogwarts.“
Der Name bedeutete Heat nichts. Es war nur ein weiteres Wort in einer fremden Sprache. Der Mann mit den fettigen Haaren, dessen Blick über sie glitt wie über Ungeziefer, trat vor. Ohne ein Wort zu sagen, zog er einen dünnen Holzstab aus seinem Ärmel und richtete ihn auf Killer.
Wire zischte und machte eine Bewegung nach vorne, aber Heat legte ihm eine schwere Hand auf die Schulter. „Warte.“
Der schwarzhaarige Mann murmelte etwas Unverständliches. Ein schwaches Leuchten umgab Killers Körper. „Primitive Fluchschäden. Eine Zertrümmerung des Schädels und innere Blutungen“, sagte der Mann tonlos, als würde er das Wetter kommentieren. „Brutal, aber nicht komplex. Der andere...“ Sein Blick fiel auf Kids verstümmelten Arm. „Der Verlust der Gliedmaße ist das geringste seiner Probleme. Sein ganzer Kreislauf ist mit einer rohen, unkontrollierten Energie überladen. Es ist ein Wunder, dass er nicht explodiert ist.“ Er wandte sich an Dumbledore, seine Verachtung kaum verbergend. „Unfein. Unpräzise. Ich kann sie stabilisieren, aber es wird dauern.“
Dumbledore nickte bedächtig. Sein Blick ruhte auf Heat. Es war kein mitfühlender Blick. Es war der Blick eines Meisterstrategen, der eine neue, unerwartete Figur auf seinem Spielbrett entdeckt hatte. „Severus, tun Sie bitte, was nötig ist. Professor McGonagall, würden Sie bitte Madam Pomfrey informieren? Wir werden Gäste im Krankenflügel haben.“
Die strenge Frau, McGonagall, warf ihnen einen einzigen, prüfenden Blick zu, der mehr sagte als tausend Worte – Misstrauen, Sorge, aber auch ein Funken... Neugier? Dann drehte sie sich um und eilte zurück zum Schloss.
„Wir nehmen keine Almosen an, alter Mann“, knurrte Heat, obwohl er wusste, dass sie keine Wahl hatten. Stolz war ein Luxus, den sie sich gerade nicht leisten konnten.
„Das ist kein Almosen“, erwiderte Dumbledore sanft. „Das ist ein Angebot. Wir haben ein Problem in Hogwarts. Ein... personelles Problem. Ich benötige dringend einen Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste. Einen, der nicht durch die Einmischung des Ministeriums gelähmt wird. Jemanden mit praktischer, wenn auch vielleicht... unkonventioneller Erfahrung.“
Er ließ die Worte im Raum hängen. Die Implikationen waren erdrückend. Heile deine Freunde, gib deiner Crew ein Dach über dem Kopf, Ressourcen, um ein neues Schiff zu bauen. Und im Gegenzug... werde mein Kampfhund.
Severus Snape hatte bereits begonnen, seinen Holzstab in komplizierten Mustern über Killer zu schwenken, leise Zauberformeln murmelnd, die wie das Zischen von Schlangen klangen. Unter seiner Behandlung schien Killers unregelmäßiger Atem ruhiger zu werden. Er hielt inne und sah Dumbledore an. „Sie können nicht ernsthaft in Erwägung ziehen, *diese*... Kreaturen in die Nähe von Schülern zu lassen.“ Das Wort „Kreaturen“ spuckte er förmlich aus.
„Jedes Problem erfordert eine seiner Natur angemessene Lösung, Severus“, sagte Dumbledore, ohne den Blick von Heat abzuwenden. „Und unser gegenwärtiges Problem ist von einer besonders hartnäckigen und unangenehmen Natur.“
Ein Hafen aus Stein. Das war es, was dieses Schloss zu sein schien. Aber Heat hatte genug Zeit auf der Grand Line verbracht, um zu wissen, dass die sichersten Häfen oft die gefährlichsten Fallen waren. Er sah zu Kid, dessen Leben an einem seidenen Faden hing, und dann zurück zu dem alten Mann mit den funkelnden Augen. Der Schmerz, die Erschöpfung, die Demütigung der Niederlage – all das verblasste hinter einer neuen, kalten Erkenntnis. Sie waren nicht gerettet. Sie waren gerade erst in das Netz einer anderen, weitaus gerisseneren Spinne geraten.