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    Eine Lektion in Rosa

    Der Weg zum Schloss war ein stiller Marsch durch Feindesland. Die kalte Nachtluft biss auf Heats Haut, aber die Wärme, die von seinen Händen ausging, eine kaum unterdrückte Vorstufe zu Flammen, hielt die schlimmste Kälte fern. Das Schloss war kein Hafen. Es war eine Festung. Massiver, dunkler Stein, der sich gegen den Nachthimmel abzeichnete, durchbrochen von den unzähligen warmen Lichtern, die nun wie die Augen eines wachsamen Leviathans wirkten. Jeder Schritt auf dem feuchten Gras war ein Schritt tiefer in die Höhle des Löwen.

    Wire ging neben ihm, seine Augen huschten unablässig umher und musterten die Schatten zwischen den Bäumen, die hohen Zinnen, die fremdartige Architektur. Dive folgte dicht hinter Snape, der die beiden bewusstlosen Körper von Kid und Killer mit einer unheimlichen Leichtigkeit schweben ließ. Sie wich nicht von ihrer Seite, ihre Haltung die einer Raubkatze, die ihre Jungen bewacht. Ihre Kiemen zuckten bei jedem fremden Geräusch.

    Sie betraten eine riesige Halle. Rüstungen standen stumm Wache, und Geister – *tatsächliche, durchscheinende Geister* – schwebten durch die Wände und warfen ihnen neugierige, flüsternde Blicke zu. Heat ignorierte sie. Er hatte auf der Grand Line schon weitaus Seltsameres gesehen. Das hier war nur eine weitere Facette einer Welt, die er nicht verstand.

    Der Krankenflügel war ein langer, hoher Raum, erfüllt vom Geruch nach Desinfektionsmitteln und seltsam süßlichen Kräutern. In ordentlichen Reihen standen Betten mit makellos weißen Laken. Eine kleine, geschäftige Frau in der Uniform einer Krankenschwester, Madam Pomfrey, eilte ihnen mit besorgter Miene entgegen.

    „Albus! Was um alles in der Welt...?“ Ihre Augen weiteten sich beim Anblick von Kid und Killer.

    „Zwei Schiffbrüchige, Poppy, die dringend deine Pflege benötigen“, sagte Dumbledore ruhig. „Severus hat bereits mit der Stabilisierung begonnen.“

    Snape ließ die beiden Körper sanft auf zwei benachbarte Betten sinken. Der Anblick war brutal. Kids metallener Armstumpf zischte leise, Funken sprühten aus den freiliegenden Drähten. Killer lag totenstill da, das Blut an seiner zersprungenen Maske war bereits getrocknet.

    „Schädel-Trauma und... bei Merlin, was ist das für eine Energie?“, murmelte Pomfrey und zückte ebenfalls einen dieser Holzstäbe. „Das ist keine normale Magie.“

    „Das sind sie auch nicht“, knurrte Snape. „Ich kümmere mich um den Rotschopf. Seine Energie ist instabil. Wenn wir ihn nicht isolieren, könnte er den halben Flügel in die Luft jagen. Sie kümmern sich um den Maskierten.“

    Heat wollte protestieren, wollte bei seinem Captain bleiben, doch Wire legte ihm eine Hand auf den Arm. „Lass sie machen. Wir können nicht helfen.“ Wires Stimme war leise, aber fest. Er hatte recht. Sie waren auf das Wissen dieser Fremden angewiesen. Machtlos. Heat hasste dieses Gefühl mehr als nasse Socken.

    Plötzlich wurde die angespannte Stille von einem Geräusch durchbrochen, das so fehl am Platz war wie ein Kanarienvogel in einer Leichenhalle. Ein kurzes, affektiertes Hüsteln. „Hem, hem.“

    Eine kleine, untersetzte Frau stand in der Tür des Krankenflügels. Sie war von Kopf bis Fuß in ein abscheuliches, flauschiges Rosa gekleidet, das sich mit dem düsteren Stein des Schlosses biss. Ihr Gesicht erinnerte Heat an eine Kröte, und ihr Lächeln erreichte ihre kleinen, wulstigen Augen nicht. Zwei stämmige Männer in grauen Umhängen flankierten sie, ihre Hände ruhten auf ihren Holzstäben.

    „Direktor Dumbledore“, säuselte sie mit einer zuckersüßen Stimme, die Heat sofort die Nackenhaare aufstellte. „Ich wurde über eine... Störung informiert. Eine unautorisierte Ankunft auf dem Schulgelände.“ Ihr Blick wanderte über die Piraten, verweilte mit sichtbarem Abscheu auf Dives Kiemen. „Es scheint, die Gerüchte waren nicht übertrieben.“

    Dumbledore drehte sich langsam um. Sein Gesichtsausdruck war undurchdringlich. „Dolores. Ich habe die Lage unter Kontrolle.“

    „Haben Sie das wirklich?“, fragte sie, ihr Lächeln wurde breiter, giftiger. „Dies sind unregistrierte, potenziell gefährliche Kreaturen. Nach Erlass des Ministeriums Nummer dreiundzwanzig sind solche Individuen sofort in Gewahrsam zu nehmen und zur Befragung in die Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe zu bringen.“

    Heat spürte, wie die Hitze in seinen Adern anstieg. Kreaturen. Dieses Wort, ausgesprochen mit dieser süßlichen Verachtung, war eine Zündschnur.

    „Diese... Individuen“, erwiderte Dumbledore, seine Stimme war nun kühl wie der See draußen, „sind meine Gäste. Und zwei von ihnen sind schwer verletzt. Sie werden nirgendwo hingebracht.“

    „Ihre Autorität als Schulleiter, Albus, erstreckt sich nicht auf Angelegenheiten der nationalen Sicherheit“, trällerte sie. „Und diese... Eindringlinge“ – sie deutete mit einem dicken Finger auf Heat – „stellen eine solche dar. Wer sind Sie? Woher kommen Sie? Welche dunklen Mächte haben Sie hierhergebracht?“ Sie machte eine kleine Pause. „Ich bin Dolores Umbridge, Erste Untersekretärin des Ministers. Sie werden mir antworten.“

    Heat lachte. Es war ein kurzes, raues Geräusch ohne jede Heiterkeit. „Wir antworten niemandem.“

    Umbridges Lächeln erstarrte. „Ich fürchte, Sie verstehen Ihre Position nicht, mein Lieber. Sie sind nicht in der Lage, Forderungen zu stellen.“ Sie nickte ihren beiden Begleitern zu. „Nehmen Sie ihn fest.“

    Die beiden Männer traten vor. In dem Moment, als sie ihre Stäbe hoben, schoss Dive nach vorne. Sie bewegte sich nicht wie ein Mensch, sondern wie ein Hai, der zum Angriff übergeht. Ein tiefes, bedrohliches Zischen entwich ihrer Kehle, und ihre Fingernägel schienen sich zu verlängern, hart wie Perlmutt.

    „Zurück!“, knurrte Heat und packte Dive am Arm, bevor sie die Männer erreichen konnte. Ihre Muskeln waren hart wie Stahl unter seinem Griff. Sie zu stoppen, kostete ihn erhebliche Kraft. Er starrte Umbridge an, das Feuer tanzte nun offen in seinen Augen. Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung, und er würde diesen ganzen sterilen Raum in ein Inferno verwandeln, Konsequenzen hin oder her.

    Der Krankenflügel knisterte vor Spannung. Snape hatte seine Behandlung unterbrochen und beobachtete die Szene mit einer Miene aus Verärgerung und einem Hauch von... Erwartung? Madam Pomfrey hielt erschrocken die Luft an.

    „Wie Sie sehen, Dolores“, sagte Dumbledore sanft in die Stille hinein, „ist die Lage delikat. Ein wenig Fingerspitzengefühl ist vonnöten.“ Er trat zwischen Heat und Umbridges Männer. „Außerdem habe ich für einen unserer Gäste bereits eine... Anstellung gefunden. Ich war gerade dabei, ihm die Position des Lehrers für Verteidigung gegen die Dunklen Künste anzubieten. Es wäre doch unhöflich vom Ministerium, Hogwarts einen so dringend benötigten Experten zu entziehen, nicht wahr?“

    Umbridges Augen verengten sich zu Schlitzen. Sie verstand sofort. Das war kein Angebot. Das war ein Schachzug. Ein Weg, die Piraten unter Hogwarts' Jurisdiktion zu stellen und sie ihrer Kontrolle zu entziehen. Sie musterte Heat von oben bis unten, seine verbrannten Kleider, seine aggressive Haltung.

    „Sie wollen... *das*... unsere Kinder unterrichten lassen?“, zischte sie ungläubig.

    „Er hat eine Fülle an praktischer Erfahrung“, sagte Dumbledore mit einem leichten Lächeln, das seine Augen nicht erreichte. „Genau das, was das Ministerium laut Bildungserlass Nummer vierundzwanzig doch fördern möchte.“

    Umbridge stand da, ihr Gesicht war eine Maske der Wut. Sie war ausmanövriert worden, und sie wusste es. Für den Moment. „Dies ist nicht das Ende der Angelegenheit, Dumbledore“, sagte sie mit gepresster Stimme. „Ich werde dem Minister Bericht erstatten. Das verspreche ich Ihnen.“ Sie wirbelte herum, ihr rosa Umhang bauschte sich wie eine giftige Wolke, und marschierte aus dem Raum, ihre beiden Gorillas im Schlepptau.

    Die Spannung wich, aber die Kälte blieb.

    Heat ließ Dives Arm los. Er starrte auf die leere Tür, durch die die Frau verschwunden war. Er hatte gegen Kaiser der Meere gekämpft, gegen Admirale der Marine, gegen Monster, die ganze Inseln verschlingen konnten. Aber noch nie hatte er sich so ohnmächtig gefühlt wie gegenüber dieser kleinen Frau in Rosa, deren Waffe keine Klinge und keine Kanone war, sondern Worte und Regeln.

    „Sie sehen nun unser... personelles Problem“, sagte Dumbledore leise an seiner Seite.

    Heat wandte den Kopf und sah den alten Mann an. Der Blick in Dumbledores Augen war nicht der eines Retters. Es war der zufriedene Blick eines Spielers, der seinen Gegner gerade in eine Falle gelockt hatte. Sie waren der Köder. Und die Falle war gerade zugeschnappt. Sie hatten Schutz vor der Frau in Rosa erhalten, aber der Preis war die Leine, die Dumbledore nun fest in der Hand hielt.

    Er lehnte sich gegen die kalte Steinmauer des Krankenflügels. Der Stein gab nicht nach. Er war hart, unerbittlich, genau wie die Erkenntnis, die sich in seinem Verstand breitmachte. Sie waren nicht mehr nur schiffbrüchig. Sie waren zu Figuren in einem fremden Krieg geworden.

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